19 | 06 | 2019

Am 15.August 2014 brachen sieben Radler mit ihren Trekking-Rädern in Augsburg auf, um 800 km nach Venedig zu radeln.

Zuerst ging es gemütlich aufwärts, immer am Lech entlang durch das Lechfeld über Landsberg, an Schongau vorbei zum Forggensee. Auf dieser Strecke folgten wir meistens - sofern bekannt - der alten Römerstraße Via Claudia Augusta. An vielen Stellen sieht man noch die Markierungssteine, allerdings nachgemacht und keine Original mehr. Oft haben auch die Tourismusverbände Informationstafeln aufgestellt, auf denen der Verlauf, der Aufbau der Straße und wichtige wirtschaftliche oder kulturelle Ereignisse erklärt werden, die zu den Zeiten, als diese Straße die wichtigste Nord-Süd Verbindung im römischen Reich war, stattfanden.

Am Westufer des Forggensee entlang fuhren wir nach Füssen, dass wir aber schnell wieder verlassen haben, um den Touristenschwärmen zu entrinnen. Nach Reutte kam dann der erste richtige Anstieg zur Burgklause unterhalb der Burgruine Ehrenberg, unser zweites Nachlager.

 

Den Fernpass bewältigen

Gut erholt gingen wir am nächsten Morgen den Fernpass an. Zuerst führte die Strecke langsam ansteigend über Lermoos zum Weißensee, dahinter steigt der Weg dann steil an. Wenn es nass ist, steigt man doch lieber mal ab und schiebt das Rad. Dafür kann man den Fernpass aber komplett überwinden, ohne die stark befahrene Straße benutzen zu müssen. Leider war durch ein vorangegangenes Unwetter eine Brücke weggespült worden, sodass wir nach dem Pass dann doch auf der Straße bis zum Fernsteinsee fahren mussten - aber bergab hat das Spaß gemacht und wir fuhren so schnell, dass die Autos uns gar nicht überholen konnten. Nach der Rast am See ging es nun nur noch bergab nach Imst und dann am Inn entlang zur nächsten Unterkunft im Gasthof Kronburg. Wie der Name vermuten lässt, liegt der Gasthof wieder zu Füßen einer Burg, wozu wir erst einmal 300 Höhenmeter hochfahren mussten, um den von Nonnen bewirtschafteten wunderschönen Platz erreichen zu können.

Mühsam hinauf auf den Reschenpass

Bei wiederum super Wetter nahmen wir am nächsten Tag den Reschenpass in Angriff. Von Landeck aus folgten wir dem Oberinntal nach Pfunds, immer wieder mal kürzere, kräftigere Anstiege, aber im allgemeinen ging es konstant nach oben. Hinter Pfunds wechselten wir auf die Schweizer Seite. Man muss zwar auch auf einer Bundesstraße fahren, die aber bei weitem nicht so stark befahren war, wie die Reschenstrasse auf Österreichischer Seite. Dafür geht es nach Martina in 11 Kehren hinauf zur Norbertshöhe. Unterwegs schafften wir es dann noch, trotz unser schwer bepackten Räder eine Gruppe Mountainbikerinnen zu überholen. Als die uns dann bei unserer verdienten Pause auf der Norbertshöhe wiedertrafen, suchten die Damen vergeblich den Motor an unseren Fahrrädern.

Grandiose Abfahrt der Etsch entlang

Nach dem letzten Anstieg hinauf zum Reschenpass kam dann die traumhaft Abfahrt durch die Obstplantagen des Vintschgau und entlang den Ufern der Etsch nach Meran. Weiter ging es durch unendliche Apfelplantagen über Lana bis kurz vor Bozen, wo der Fahrradweg jetzt wieder nach Eppan ansteigt. Die Apfelplantagen weichen nun den Weinreben. Durch bekannte Winzerorte wie Kaltern und Tramin fuhren wir nach Neumarkt, dass schon nahe an der Sprachgrenze ins italienische liegt.

Das Trentino im Regen

Am nächsten Morgen dann die Überraschung - es regnete zum ersten Mal auf der Tour. So entschlossen wir uns kurzfristig die kommenden 30 km nach Trento mit dem Zug zu bewältigen mit der Hoffnung, dass das Wetter bis dahin wieder besser wird. Es wurde etwas besser, sodass wir die Stadtbesichtigung machen und den Expresso auf dem Marktplatz in Trento trocken zu uns nehmen konnten. Allerdings regnete es danach wieder und dem bis hierher sehr gut ausgeschilderten Fahrradweg Via Claudia fehlten auf einmal die Schilder. Somit war es schwierig, den richtigen Weg hinauf zum Caldonazzosee zu finden. Mehrfach verfuhren wir uns und gerieten auf sehr steile Passagen. Erst nachdem ein italienischer Jogger vor uns herlief und uns zur richtigen Abzweigung brachte, waren wir wieder auf dem richtigen Weg ins Valsugana. Am See vorbei über Caldonazzo fuhren wir nach Borgo mit seiner Altstadt mit venezianischen Flair an der Brenta.

Radfreuden im Valsugana

Die originale Via Claudia zweigt hier nach Nordosten ab und führt über mehrere Pässe weiter nach Venedig. Wir verließen in Borgo aber diese Route und folgten dem Brenta-Radweg nach Bassano del Grappa. Der Fahrradweg war teilweise ganz neu angelegt und folgt immer der Brenta, wobei das Tal immer schmaler wurde und stellenweise der Radweg sogar in den Felsen gesprengt wurde. Landschaftlich, da waren wir uns alle einig, die schönste Etappe der gesamten Strecke.

Am Ende der Via Claudia angekommen

Von Bassano del Grappa kann man natürlich auf kürzesten Weg auf wenig reizvollen Straßen direkt nach Venedig fahren, wir nahmen aber die viel Aminteressantere Nordschleife des Venetien-Rundweges. Durch sanfte Hügellandschaften erreichten wir Asolo, eine der schönsten Ortschaften Italiens. Nach ausgiebiger Besichtigung und natürlich Kaffeepause am Hauptplatz ging es weiter durch die Hügellandschaft an imposanten Villen vorbei nach Treviso. Die letzte Etappe führte von Treviso durch nun sehr flaches Gelände nach Altino, dem früheren Ende der Via Claudia Augusta. Der Ort liegt circa 1 km vom Meer entfernt und war zu Römerzeiten ein Hafen, von dem heute aber nichts mehr zu sehen ist. Heute gibt es nur noch ein Museum. Die letzten 20 km brachten uns nach Favaro Veneto, ein Ort nahe der Lagune, von dem Venedig mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell zu erreichen ist.

Venedig endlich erreicht

Aber unser Ziel war ja Venedig. Deshalb setzten sich ein paar der Teilnehmer am Abend noch einmal aufs Fahrrad und fuhren über Mestre und dem Damm direkt auf die Insel Venedig. Das Glücksgefühl, unser Ziel erreicht zu haben, entschädigte uns auch dafür, den Damm auf einer vierspurigen Fahrbahn ohne Fahrradweg überqueren zu müssen.