23 | 04 | 2018

Das Sportgespräch - Interview der SZ/BZ mit Siegfried Heinkele aus Grafenau-Dätzingen / Der 61-Jährige ist neuer Vorsitzender der Bezirksgruppe Böblingen der Sektion Schwaben des DAV

Klettern, Bergsteigen, Wandern, Skitouren, Radsport – beim Angebot der Bezirksgruppe Kreis Böblingen der Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins ist für jeden, der gerne in den Bergen unterwegs ist, etwas dabei. Seit Ende 2017 haben die Bergsportler mit dem Grafenauer Siegfried Heinkele einen neuen Vorsitzenden.

Er löste Dr. Jörg Stein aus Althengstett an der Spitze der über 3000 Mitglieder starken Gruppierung ab, der sich nicht mehr zur Wahl stellte. Die SZ/BZ sprach mit Heinkele über seine Ziele, den Tourismus in den Alpen und das Programm der Bezirksgruppe.

In welchen Bergsport-Disziplinen sind Sie aktiv?

Siegfried Heinkele: „Da bin ich sehr breit aufgestellt. Im Sommer bin ich beim Felsklettern, Wandern und Radfahren unterwegs, im Winter sind es Skitouren und Skifahren.“

Sportklettern in der Halle ist nicht Ihr Ding?

Siegfried Heinkele: „Nein, ich bin tatsächlich am liebsten im Freien unterwegs.

Klettern ist ein absoluter Trend und eine tolle Sache

Trotzdem sind Klettern und Bouldern in der Halle eine tolle Sache und ein absoluter Trend. Wir haben inzwischen über 3000 Mitglieder in der Bezirksgruppe und das hat nicht zuletzt mit dem Boom beim Klettern zu tun.“

Am Silberweg in Böblingen soll dieses Jahr eine Kletterhalle eröffnen. Wie steht die Bezirksgruppe dazu?

Siegfried Heinkele: „Das ist eine tolle Sache und wird ganz sicher funktionieren. Die Lage ist optimal. Wir sind derzeit in Gesprächen mit der Sektion Böblingen des DAV und wollen für beide Seiten gleich gute Bedingungen erreichen. Wichtig sind uns hier natürlich Trainingszeiten für die Jugend.“

Sie sehen die Halle also nicht als Konkurrenz für das Kletterzentrum auf der Waldau, das die Sektionen Schwaben und Stuttgart gemeinsam betreiben?

Siegfried Heinkele: „Nein, wir benötigen mehr Kletterfläche in der Region, um die bestehenden Anlagen zu entlasten. Insofern begrüßen wir die Halle in Böblingen, auch wenn es nicht unsere ist.“

Klettern ist nur eine Disziplin in den Bergen. Worauf wollen Sie als Vorsitzender Ihren Fokus legen?

Siegfried Heinkele: „Zunächst einmal ist mir wichtig zu sagen, dass ich nicht alles umkrempeln will. Ich spüre großen Rückhalt in der Gruppe, sonst hätte ich das Amt nicht übernommen. Unser aller Ziel ist, mit einem interessanten und vielfältigen Kursangebot zu überzeugen. Wir wollen nicht einfach neue, sondern zufriedene Mitglieder, die aktiv dabei sind. Ein breit aufgestelltes Programm lebt davon, dass man Tourenführer hat, die sich einbringen und bei der Stange bleiben.“

Welche Art von Touren bietet die Bezirksgruppe an?

Siegfried Heinkele: „Wir haben derzeit 30 bis 40 völlig unterschiedliche Touren im Angebot. Von Langlaufen über Schneeschuh- und Skitouren, Rad- und Mountainbiketouren, Eiskurse, Klettersteige und Wanderungen bis hin zum Trekking in Nepal. Während die Sektion überwiegend Ausbildungskurse an der Kletteranlage auf der Waldau sowie in Fels und Eis anbietet, fokussiert sich das Bezirksgruppenprogramm auf Touren in den Alpen, auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald.“

Für wen sind die Angebote geeignet?

Siegfried Heinkele: „Im Prinzip haben wir für alle Alters- und Könnerstufen etwas dabei. Ganz wichtig sind uns auch Angebote für Familien wie Schneeschuhferien für Familien, ein Wildniswochenende oder Familientrekking durch den Rosengarten.

Man muss die Auswüchse vermeiden

Ich habe selbst lange die Familiengruppe Siebenschläfer geleitet. Das Tolle ist, dass aus dieser Gruppe immer wieder Tourenführer und Ehrenamtliche entwachsen.“

Der DAV ist auch ein Umweltschutzverband. Wie stehen Sie zu Skigebiets-Erweiterungen und neuen Liftanlagen in den Alpen?

Siegfried Heinkele: „Der DAV hat hier klar Stellung bezogen. Zum Beispiel zur Erschließung des Riedbergerhorns im Allgäu. Der Ausbau hier widerspricht dem Alpenplan und wird vom Alpenverein abgelehnt. Ich persönlich bin der Meinung, dass man die geplanten Projekte immer gesondert betrachten muss. Wenn in bestehenden Skigebieten optimiert wird, ist das für mich in Ordnung. Manche Täler würden ohne Skitourismus gar nicht mehr existieren. Auf der anderen Seite muss man die Auswüchse vermeiden. Die Alpen dürfen nicht zum Erlebnispark verkommen. In tiefen Lagen werden sich Skigebiete mittelfristig wohl kaum mehr lohnen, auch das gilt es zu beachten. Neue Ressorts zu erschließen halte ich grundsätzlich für falsch.“

Zur Person

Siegfried Heinkele ist ein echter Dätzinger. Der 61-Jährige ist verheiratet, hat 2 erwachsene Kinder und ist nach Jahrzehnten bei der IBM in Altersteilzeit.

Sektion Schwaben des DAV

Die Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) ist mit über 30 000 Mitgliedern die drittgrößte im größten Bergsteigerverband der Welt. Die Bezirksgruppe Kreis Böblingen ist eine von 10 Regionalgruppen und hat rund 3000 Mitglieder. Die Bezirksgruppe ist nicht mit der Sektion Böblingen des DAV gleichzusetzen. Letztere fungierte während der Teilung Deutschlands als Sektion Dresden, die von Böblingen aus verwaltet wurde. Nach der Wiedervereinigung kehrte die Sektion Dresden wieder zurück nach Sachsen. Aus den verbliebenen Strukturen entstand die Sektion Böblingen.

Info

Alle Touren der Bezirksgruppe und weitere Infos unter www.alpenverein-bb.de im Netz. Wer sich für den DAV interessiert, kann auch zum Bezirksgruppenabend kommen, der in der Regel am 1. Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr in der Gaststätte Paladion im Vereinsheim des SV Böblingen, Silberweg 18 in Böblingen, stattfindet. SZ/BZ-Redakteur Steffen Müller ist selbst begeisterter Bergsportler. Am liebsten auf Tourenski und auf dem Mountainbike. Er ist auch für die Magazine „Abenteuer Alpen“, „Abenteuer Tiefschnee“ und „Abenteuer Mountainbike“ zuständig.